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Betthupferl (Männer und Frauen, Fortsetzung)

verfasst von JimKnopf, 06.02.2008, 21:26



Einem Mann namens Gerhard gef?llt eine Frau namens Susanne. Er fragt sie, ob sie ins Kino gehen will, sie sagt ja, und beide verbringen einen sehr lustigen Abend.
Ein paar Tage sp?ter l?dt er sie zum Abendessen ein, und sie haben wieder viel Spa?. Fortan treffen Sie sich regelm??ig, und nach einiger Zeit trifft sich keiner von beiden mit irgendjemand anders mehr.

Eines Abends, als sie nach Hause fahren, schie?t ein Gedanke durch Susannes Kopf und, ohne richtig dr?ber nachzudenken, spricht sie ihn aus: "Ist Dir klar, dass wir uns mit dem heutigen Abend seit genau 6 Monaten treffen?"

Stille.

Susanne kommt die Stille sehr laut vor. Sie denkt: "Oje, ob es ihn nervt, dass ich das gesagt habe? Vielleicht f?hlt er sich durch unsere Beziehung eingeschr?nkt oder er f?hlt sich von mir in eine Pflichtrolle gedr?ngt?"

Und Gerhard denkt sich "Wow, 6 Monate."

Und Susanne denkt sich: "Moment, ich bin gar nicht sicher, ob ich so eine Art Beziehung will. Manchmal h?tte ich lieber mehr Freiraum, ich werde Zeit brauchen, mir zu ?berlegen, ob ich so weiter machen will. Ich meine, wo f?hrt uns das hin? Wird es immer so weiter gehen, oder schreiten wir auf eine Ehe zu? Vielleicht sogar auf Kinder? Darauf, unser restliches Leben miteinander zu verbringen? Bin ich bereit, diese Verpflichtung einzugehen? Kenne ich diesen Menschen ?berhaupt?

Und Gerhard denkt sich: "Hm, das hei?t, es war ... mal sehen ... Februar ...als wir anfingen, uns zu treffen, das war gleich nachdem ich das Auto beim Service hatte, das hei?t ... wie ist der Kilometerstand? Au weia! Die Karre ist ?berf?llig f?r einen ?lwechsel!"

Und Susanne denkt sich: "Er ist besorgt. Ich sehe es in seinem Gesicht. Vielleicht war mir nicht ganz klar, wie er die Sache sieht. Vielleicht will er mehr von unserer Beziehung, mehr Intimit?t, eine tiefere Bindung, vielleicht hat er, sogar schon vor mir gesp?rt, dass ich mich zu sehr zur?ckhalte. Ja, das ist es. Deswegen spricht er so selten ?ber seine Gef?hle. Er hat Angst zur?ckgewiesen zu werden."

Und Gerhard denkt sich: "Die sollen sich auf jeden Fall noch einmal das Getriebe ansehen. Ist mir v?llig egal, was diese Deppen sagen, die Schaltung funktioniert noch immer nicht richtig. Und diesmal k?nnen sie es auch nicht aufs kalte Wetter schieben. Wir haben 30 Grad, und das Ding hier schaltet sich wie ein Lastwagen von der M?llabfuhr. Und ich habe diesen inkompetenten Gaunern 1200 Euro bezahlt.

Und Susanne denkt sich: "Er ist sauer. Ich kann's ihm nicht ?bel nehmen, ich w?r's auch. Ich f?hle mich so schuldig, ihm das anzutun, aber ich kann nichts f?r meine Gef?hle, ich bin einfach unsicher.

Und Gerhard denkt sich: "Wahrscheinlich werden sie sagen, es gibt nur 90 Tage Garantie, diese S?cke!"

Und Susanne denkt sich: "Wahrscheinlich bin ich viel zu idealistisch, und warte auf einen Ritter auf einem wei?en Pferd, w?hrend ich hier neben einem superlieben Menschen sitze, einem Menschen, mit dem ich gern zusammen bin, um den ich mich wirklich sorge und der sich wirklich um mich sorgt. Einem Menschen, der wegen meiner selbstherrlichen Schulm?dchenfantasien leiden muss.

Und Gerhard denkt sich: "Garantie? Die reden von Garantie? K?nnen sie haben,ich nehme ihre Garantie und stecke sie ihnen in ..."

"Gerhard" sagt Susanne laut.

"Was?" sagt Gerhard erschrocken.

"Bitte qu?l dich nicht so", sagt sie, w?hrend sich ihre Augen mit Tr?nen f?llen. "Vielleicht h?tte ich niemals ? Oh Gott, ich f?hle mich so ..."

(Sie verstummt, schluchzt).

"Was?" sagt Gerhard.

"Ich bin so dumm", schluchzt Susanne, "Ich meine, ich wei?, dass es nie einen Ritter geben wird. Es ist so dumm. Weder einen Ritter noch ein Pferd."

"Es gibt kein Pferd?", fragt Gerhard.

"Du denkst auch, dass ich dumm bin, oder?", sagt Susanne.

"Nein!",sagt Gerhard, froh, endlich eine richtige Antwort zu haben.

"Die Sache ist die ... es ist einfach so ... ich brauche ein wenig Zeit", sagt Susanne.

(Es entsteht eine 15-sek?ndige Pause, in der Gerhard versucht, so schnell er kann mit einer sicheren Antwort aufzuwarten. Endlich f?llt ihm etwas ein, das funktionieren sollte.)

"Ja" sagt er.

Susanne, tief bewegt, ber?hrt seine Hand: "Oh Gerhard, denkst du wirklich so dar?ber?" fragt sie.

"Wor?ber?" fragt Gerhard.

"?ber ein wenig mehr Zeit" sagt Susanne.

"Oh" sagt Gerhard, "Ja!"

Susanne dreht sich zu ihm und sieht ihm tief in die Augen, wodurch er schrecklich nerv?s dar?ber wird, was sie als n?chstes sagen wird, besonders, wenn darin ein Pferd vorkommen sollte. Endlich spricht sie: "Danke, Gerhard", sagt sie.

"Ich danke Dir:", sagt Gerhard

Dann bringt er sie nach Hause, wo sie sich auf ihr Bett legt, eine von Konflikten gesch?ttelte, gequ?lte Seele, und bis in den Morgen weint.

Gerhard f?hrt nach Hause, holt sich eine T?te Chips und ein Bier aus dem K?hlschrank, dreht den Fernseher auf, und wird schnell von der Wiederholung eines Tennismatchs zwischen zwei Neuseel?ndern, von denen er noch nie was geh?rt hat, in den Bann gezogen. Eine leise Stimme irgendwo in seinem Kopf sagt ihm, dass heute im Auto h?chstwahrscheinlich etwas wirklich wichtiges passiert ist, aber er ist sicher, dass er niemals verstehen w?rde, was das war, also beschlie?t er, nicht weiter dar?ber nachzudenken.

Am n?chsten Tag wird Susanne ihre beste Freundin anrufen, vielleicht sogar noch eine, und mit mehrere Stunden lang ?ber die ganze Sache reden. In sorgf?ltiger Detailarbeit werden sie alles was sie sagte, und auch alles was er sagte, analysieren, jedes Wort, jeden Ausdruck, jede Geste, um Nuancen in der Bedeutung des Gesagten zu finden, und um jede m?gliche Variante durchzugehen. Das ganze wird sich wochenlang, wenn nicht monatelang hinziehen, ohne jemals in einer plausiblen Schlussfolgerung zu enden, aber auch, ohne jemals langweilig zu werden.

Irgendwann w?hrend dieser Zeit wird Gerhard, w?hrend eines Squashmatches mit einem Freund, der sie beide kennt, kurz innehalten und fragen "Peter, hat Susanne mal ein Pferd gehabt?".

Und das ist der Unterschied zwischen M?nnern und Frauen.


 

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